In diesem Artikel möchte ich euch die Definitionen und die verschiedenen Kategorien von Third Culture Kids (TCKs) sowie Cross-Cultural Kids (CCKs) erläutern. Ich habe erst mit Anfang 40 davon erfahren und es war ein Gamechanger für mein Selbstverständnis als TCK sowie für meine persönliche Weiterentwicklung. Ihr findet am Ende eine Reihe von Buchempfehlungen und den Hinweis auf weitere englische Blogartikel zu diesem Thema.
Third Culture Kids
Der Begriff wurde in den 1950er-Jahren von der US-Soziologin Ruth Hill Useem von der Michigan State University geprägt. Sie reiste gemeinsam mit ihrem Ehemann nach Indien, um zu erforschen, wie US-Amerikaner, die dort lebten und arbeiteten, beruflich mit den Einheimischen interagierten. Diese Zwischenwelt bezeichneten sie als ‚Third Culture‘ (dritte Kultur). Ein besonderes Augenmerk legte Useem dabei auf die Kinder.
1999 hat David C. Pollock diese Definition aufgegriffen und weiterentwickelt (s. Buchtipps am Ende des Artikels!). Im Jahr 2017 wurde die Definition von Ruth E. Van Reken und Michael V. Pollock wie folgt verfeinert:
„Ein traditionelles Third Culture Kid (TCK) ist eine Person, die einen bedeutenden Teil ihrer ersten achtzehn Lebensjahre damit verbringt, ihre Eltern (oder ein Elternteil) aufgrund von deren Berufswahl oder Weiterbildung in ein oder mehrere Länder zu begleiten, die sich von mindestens einem Heimatland (laut Pass) der Eltern unterscheiden.“
Drei entscheidende Faktoren greifen hierbei ineinander:
- Prägende Entwicklungsjahre: TCKs bewegen sich zwischen verschiedenen Kulturen, bevor sie die entscheidende Entwicklungsaufgabe abgeschlossen haben: die Bildung einer eigenen persönlichen und kulturellen Identität.
- Mehrere Aufenthaltsländer: Sie haben in mindestens zwei verschiedenen Ländern gelebt.
- Beruflicher Hintergrund: Die Umzüge erfolgen aufgrund der Arbeit oder Fortbildung der Eltern.
Typische Merkmale:
- Ein hochmobiles Umfeld: Nicht nur die TCKs selbst ziehen häufig um, auch ihr Freundeskreis verändert sich ständig durch Fortzüge.
Hinweis: Eine Person, die als TCK aufgewachsen ist und heute erwachsen ist, wird als „Adult Third Culture Kid“ (ATCK) bezeichnet.
Hier seht ihr die verschiedenen Kategorien von TCKs, die kontinuierlich erweitert werden:
TCK Kategorien

Warum „Third Culture“ (Drittkultur)?
Der Begriff wird oft fälschlicherweise mit der Dritten Welt assoziiert – er hat absolut nichts damit zu tun.
Er wird möglicherweise auch als der persönliche Kulturmix jedes TCKs missverstanden – eine Mischung aus allen Kulturen, in denen man gelebt hat. Aber das ist nicht gemeint.

Die Definition hat sich im Laufe der Jahre weiterentwickelt, dies ist die neueste Version. Der Begriff „Third Culture“ (Dritte Kultur) bezieht sich auf eine Lebensweise, die weder wie das Leben derer ist, die in der Heimatkultur leben, noch wie das Leben derer in der lokalen Gemeinschaft, sondern ein Lebensstil mit vielen gemeinsamen Erfahrungen ist, die von anderen auf ähnliche Weise geteilt werden.
TCKs leben in einer Weder-noch-Welt – sie gehören nie ganz zu einer der beiden Kulturen.
Gleichzeitig verbinden sich TCKs leicht mit anderen TCKs und erschaffen schnell eine neue Kultur miteinander – eine Dritte Kultur – die eigentliche Definition von Transkulturalität. Man kann den TCK-Vibe in einer internationalen Schule sofort spüren. Das ist der Ort, an dem sie sich oft am meisten zu Hause fühlen.
„Sich anzupassen bedeutet, eine Situation zu beurteilen und zu dem zu werden, der man sein muss, um akzeptiert zu werden. Dazugehören erfordert hingegen nicht, dass wir verändern, wer wir sind; es erfordert, dass wir wir selbst sind.“
― Brené Brown, Die Gaben der Unvollkommenheit
Was sind Cross-Cultural Kids?
Richten wir den Blick auf das übergeordnete Modell, das TCKs miteinschließt.
Das TCK-Konzept war zwar gut erforscht, warf jedoch immer wieder Fragen auf, wer eigentlich dazu zählt und wer nicht. Durch die Globalisierung ist die Welt kulturell vielschichtiger geworden – und damit wuchs der Bedarf an einem umfassenderen Ansatz.
Das Cross-Cultural Kid (CCK) Modell wurde 2002 von Ruth van Reken entwickelt und 2017 aktualisiert:
„Ein Cross-Cultural Kid (CCK) ist eine Person, die in ihren Entwicklungsjahren maßgeblich von zwei oder mehr kulturellen Umfeldern geprägt wurde.“
Frühe Forschungen zu TCKs legten den Grundstein für die Untersuchung anderer interkultureller Erfahrungen und ermöglichten es Fachleuten, die Besonderheiten jeder Gruppe präzise zu bestimmen. Als übergeordnete Muster sichtbar wurden, konnten wertvolle Erkenntnisse und Werkzeuge zwischen allen Kategorien ausgetauscht werden. Der Blick auf das große Ganze trat schlussendlich hervor und ließ die spezifischen Herausforderungen jeder einzelnen Untergruppe nur noch deutlicher hervortreten.
Gemeinsamkeiten
- Sie tragen eine große innere kulturelle Vielfalt in sich.
- Gefühle, nicht dazuzugehören oder nicht in die Kultur zu passen, zu der sie eigentlich gehören „sollten“.
- Ein gutes Auskommen mit anderen Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben.
- Man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die meisten – wenn nicht alle – CCKs mit Fragen der Zugehörigkeit, der Heimatfindung, des Verständnisses ihrer Wurzeln und der eigenen Herkunft zu kämpfen haben.
Identitätskrise
Einer der Gründe, warum es für Cross-Cultural Kids oft so schwer ist, sich in verschiedenen Kontexten zu bewegen, liegt darin, dass sie es oft gar nicht bemerken, wenn sie es tun. Ihnen fehlen oft die Worte dafür und sie haben nur sehr wenige Ressourcen, die ihnen helfen, ihre komplexen und sich entwickelnden Identitäten zu verstehen. Bestimmte Lebenserfahrungen katapultieren sie daher nicht selten direkt in eine Identitätskrise.

Cultural Mosaics
Diese CULTURAL MOSAICS-Reihe über Cross-Cultural Kids (CCKs) wurde ursprünglich im September 2023 auf Instagram als Gemeinschaftsprojekt von Beatriz Nour (@inbetweenish.pod – liebe Freundin, CCK und Podcasterin) und mir, Wiebke Homborg (@chameleon_coaching), veröffentlicht.
Falls du Instagram nutzt, empfehlen wir dir unbedingt, einen Blick auf die ursprünglichen Posts mit ihren tollen Visuals, Audios, Reels und Storytellings zu werfen. Außerdem findest du die vollständige Artikelreihe über CCKs auch hier auf meinem Blog.
Mit unserer Arbeit möchten wir mehr Bewusstsein für die verschiedenen Arten von Cross-Cultural Kids schaffen. Schließlich erhalten nicht alle von ihnen so viel Aufmerksamkeit wie die Third Culture Kids, aus denen das Cross-Cultural Kids Modell von Ruth Van Reken ursprünglich hervorgegangen ist.
Wir hoffen, dass CCKs und erwachsene CCKs (ACCKs) sowie Eltern, Bezugspersonen, Pädagog:innen, Coaches und Therapeut:innen auf der ganzen Welt von dieser Reihe profitieren werden. Cross-Cultural Kids werden immer häufiger – und wer weiß, ob nicht irgendwann in der Zukunft alle Kinder CCKs sein werden?
Weitere Blogartikel zu Cross-Cultural Kids (auf Englisch)
Cross-Cultural Kids Part 1 – Introduction
Cross-Cultural Kids Part 2 – Exploring 4 different CCK types: Bicultural Children, Multicultural Children, Children of Mixed Heritage and Internationally Adopted Children
Cross-Cultural Kids Part 3 – Exploring 4 different CCK types: Third Culture Kids, Domestic Third Culture Kids, Educational Cross-Cultural Kids and Children of Borderlanders
Cross-Cultural Kids Part 4 – Exploring 4 different CCK types: Children of Immigrants, Children of Refugees, Children of Marginalized and Privileged Minorities
Cross-Cultural Kids Part 5 – Exploring 3 famous examples with their respective CCK types
Buchtipps und weiterführende Links
Third Culture Kids – Growing Up Among Worlds (3rd ed.), David C. Pollock/Ruth Van Reken/Michael V. Pollock (2017), London: Nicholas Brealey Publishing. (Die Deutsche Ausgabe von 2007 ist inzwischen veraltet.)
Ruth Van Reken’s Webseite https://www.crossculturalkid.org/
Raising Up a Generation of Healthy Third Culture Kids: A Practical Guide to Preventive Care, Lauren Wells (2020), Independently published
Raising Global Teens, Dr Anisha Abraham
Unstacking Your Grief Tower: A Guide to Processing Grief as an Adult Third Culture Kid, Lauren Wells (2021), Independently published
Families in Global Transition – A welcoming forum for globally mobile individuals, families, and those working with them. Annual virtual conferences. www.figt.org
TCK Resource List, online: http://tckresources.com/resources/
TCK-Songs: „Layers“ by Naïka & „No Roots“ by Alice Merton
Hi, ich bin Wiebke,
Als interkultureller Coach mit eigener TCK-Erfahrung gebe ich dir die Werkzeuge an die Hand, die du brauchst, um dein inneres Zuhause zu finden, deine TCK- oder CCK-Reise besser zu verstehen und dein multikulturelles Mosaik mit der Methode des Inneren (Multikulturellen) Teams von ganzem Herzen anzunehmen und zu feiern!
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