Training, Coaching und Mentoring von Expatriates im Rahmen einer Auslandsentsendung

Coaching im Rahmen der Auslandsentsendung

In ihrem Herausgeberband „Coaching im Rahmen der Auslandsentsendung“ (erschienen 2021 im Springer-Gabler Verlag) haben Prof. Dr. Judith Eidems und Susan Hoentzsch eine große Vielfalt an Beiträgen zusammengetragen. Das Buch ist von hohem Nutzen für alle, die sich mit dem Thema Auslandsentsendung beschäftigen: HR-Abteilungen, Coaches und Berater*innen, aber auch Expats und ihre Familien.

Es war mir eine Ehre, hieran mitzuwirken und in meinem Beitrag „Instrumentenmix in der Betreuung von Expatriates – Unterschiedliche Beratungsformen im Vergleich“ das Potenzial von Training, Coaching und Mentoring genauer unter die Lupe zu nehmen. Nachfolgend möchte ich einige Ausschnitte mit meinen Lesern teilen.

In welchem Umfang können Training, Coaching und Mentoring im Rahmen von Auslandsentsendungen einen wertvollen Beitrag leisten?

In meinem Beitrag gehe ich der Frage nach, wann und in welchem Umfang Training, Coaching und Mentoring im Rahmen von Auslandsentsendungen einen wertvollen Beitrag leisten können.

  • Durch welche Merkmale unterscheiden sie sich?
  • Welche lerntheoretischen Aspekte sind bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen zu berücksichtigen?
  • Wie können die drei Maßnahmen optimal im Laufe des Entsendungszyklus eingesetzt werden?

Um eine Brücke zwischen Theorie und Praxis zu schlagen und die Wirkweisen der im Fokus stehenden Maßnahmen des internationalen Personalmanagements zu illustrieren, stelle ich drei Beispiele für Best Practices von unterschiedlichen Organisationen vor: Volkswagen AG, NetExpat und Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Worin unterscheiden sich Training, Coaching und Mentoring im Kontext der Auslandsentsendung?

„Der Beitrag beleuchtet drei zentrale Instrumente der Personalentwicklung, die auf unterschiedliche Art und Weise den Herausforderungen der Auslandsentsendung begegnen und damit zum Erfolg von Entsendungen beitragen können. Es existiert grundsätzlich kein Patentrezept, das heißt kein one-size-fits-all-approach für alle Entsendungssituationen. Um ein besseres und vor allem auch differenzierteres Verständnis für die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu erlangen, werden im Folgenden zentrale Merkmale und Potenziale der Maßnahmen Training, Coaching und Mentoring herausgearbeitet und gegenübergestellt. Diese Übersicht hilft bei der Auswahl geeigneter Maßnahmen im Einzelfall.“

Zusätzlich habe ich den Vergleich in einer tabellarischen Übersicht dargestellt, die es in der Form bisher nicht in der deutschen Literatur gab.

Lerntheoretische Überlegungen zur Entwicklung von interkultureller Kompetenz

Aus meinem Beitrag: „Im Zusammenhang mit erfolgreichen Auslandsentsendungen steht die Entwicklung von interkultureller Kompetenz im Mittelpunkt. Hierbei spielen interkulturelle Lernprozesse eine entscheidende Rolle. Die Entwicklung interkultureller Kompetenz benötigt Zeit und wird durch das Reflektieren der gemachten Erfahrungen gefestigt. Interkulturelle Lernprozesse sind demnach nicht über Nacht bzw. mithilfe einmaliger Maßnahmen zu bewerkstelligen. Ein Auslandsaufenthalt führt auch nicht automatisch zu interkultureller Kompetenz und kann sogar das Gegenteil bewirken, indem Vorurteile eher bestätigt als abgebaut werden (Bennett 2001).“

In meinem Beitrag beziehe ich mich des Weiteren auf das interkulturelle Kompetenzmodell von Prof. Jürgen Bolten (2018). Er beschreibt interkulturelle Kompetenz als Transferkompetenz zwischen vertrauten und unvertrauten Handlungskontexten. Bereits vorhandene Teilkompetenzen (Selbstkompetenz, Sozialkompetenz, Methodenkompetenz und Sach-/Fachkompetenz) werden durch Förderung der unterschiedlichen Lernebenen (kognitiv, konativ und affektiv) weiterentwickelt, um die Umsetzung dieser Kompetenzen in unvertrauten Kontexten zu ermöglichen.

Der Zeitpunkt, an dem die verschiedenen Entwicklungsmaßnahmen greifen, spielt eine wichtige Rolle

„Der Zeitpunkt, an dem die verschiedenen Entwicklungsmaßnahmen greifen, spielt eine wichtige Rolle und steht im Zusammenhang mit den Entsendungs- und Akkulturationsphasen. Nicht immer ist der Expatriate für alle Themen in gleichem Maße aufnahmebereit und manche Maßnahmen sind nur auf andere Maßnahmen aufbauend oder bereits gemachte Erfahrungen sinnvoll.“

In meinem Beitrag beschreibe ich in Anlehnung an das Phasenmodell interkultureller Personalentwicklung bei Auslandsentsendungen nach Kinast und Thomas (2005, S. 254) die wichtigsten Kriterien und Empfehlungen für in der jeweiligen Phase geeignete Maßnahmen.

Drei Organisationen im Interview: Welche Zukunftstrends zeichnen sich ab?

„Wie werden die Maßnahmen Training, Coaching und Mentoring tatsächlich in der Praxis im Rahmen von Auslandsentsendungen eingesetzt? Welche Zukunftstrends zeichnen sich ab? Mit einem Blick auf die Best Practices soll eine Brücke zwischen Theorie und Praxis geschlagen werden. Hierzu wurden ein deutscher Großkonzern, ein weltweit agierender Service-Provider für Beratung, Training und Coaching von Expatriates und ihren Partnern sowie eine Organisation aus dem Bereich der internationalen Entwicklungszusammenarbeit interviewt. Die Interviews sind im Anhang in gekürzter Form aufgeführt.“ Die einzelnen Interviews sind hier nachzulesen.

Mobile Familien

„In engem Zusammenhang mit der Einsatzfähigkeit des Entsandten steht die Zufriedenheit des Partners und der Kinder. Eine Familie, die ins Ausland zieht, bricht zu einem lebensverändernden Abenteuer auf und wird dieses nur als funktionierende Einheit meistern. Es ist demnach fundamental wichtig, die Partner und Kinder mehr in den Fokus zu rücken und für sie verstärkt Angebote wie Training und Coaching fest in die Entsendungsvereinbarung einzubauen. Nicht zuletzt sind eben diese Kinder, auch Third Culture Kids genannt, die nächste Generation von Arbeitnehmern, die bereits mit hoher interkultureller Kompetenz und Entsendungserfahrung in das Berufsleben starten können.“

Da mir die ganzheitliche Unterstützung von mobilen Familien sehr am Herzen liegt, habe ich gemeinsam mit vier Kolleginnen das Institut für mobilen Lebensstil gegründet. Mehr Informationen über unsere Angebote finden Sie hier.

Fazit: Der Mix macht‘s

Alle drei vorgestellten Personalentwicklungsmaßnahmen leisten hierzu einen wertvollen und signifikanten Beitrag und können ihr volles Potenzial entfalten, wenn sie an die individuellen Bedürfnisse der Expatriates und ihrer Familien innerhalb der unterschiedlichen Phasen der Entsendung angepasst und wirkungsvoll miteinander kombiniert werden. Gefragt sind innovative, flexible, bedarfsorientierte Konzepte, damit die Unterstützung genau dann gegeben werden kann, wenn sie benötigt wird.

Hier geht’s zur Buchseite des Springer-Gabler Verlags.

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